Meinung des Tages: Brauchen moderne Gesellschaften überhaupt noch klassische Post?
(Bild mit KI erstellt)
Was jahrhundertelang selbstverständlich war, verschwindet plötzlich - zumindest in Dänemark - und stellt auch uns vor eine unbequeme Frage.
Abschied vom BriefIn Dänemark endet eine über 400 Jahre alte Tradition: Ab Januar stellt die staatliche Post PostNord keine Briefe mehr zu. Grund ist der drastische Rückgang des Briefaufkommens um rund 90 Prozent seit dem Jahr 2000. Stattdessen setzt das Unternehmen fast vollständig auf Pakete, die durch den Online-Handel weiter zulegen. Briefe können zwar weiterhin verschickt werden, aber über private Anbieter – oder als teureres Paket. Der Schritt ist damit weniger ein technischer als ein wirtschaftlicher Einschnitt.
Deutschland im VergleichAuch in Deutschland sinkt das Briefvolumen seit Jahren deutlich, während Paketmengen Rekorde erreichen. Dennoch besteht hierzulande weiterhin eine gesetzliche Grundversorgungspflicht. Die Deutsche Post muss Briefe flächendeckend zustellen, selbst wenn sich das wirtschaftlich kaum lohnt. Der dänische Weg zeigt jedoch, dass politische Entscheidungen diese Balance verändern können – und dass ein Ausstieg aus dem klassischen Briefgeschäft zumindest denkbar ist.
Mehr als NostalgieDie Debatte ist nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich. Briefe gelten vielen als verlässlich, barrierearm und persönlich. Gewerkschaften warnen vor Arbeitsplatzverlusten, Kritiker vor privaten Monopolen. Gleichzeitig nutzen immer mehr Menschen digitale Kommunikation. Die Frage lautet daher: Soll der Staat ein schrumpfendes System dauerhaft stützen – oder den Wandel aktiv gestalten?
Unsere Fragen an Euch:- Nutzt Ihr noch regelmäßig Briefe?
- Sollte Briefpost teurer werden, um sie langfristig zu erhalten?
- Wie könnte man sicherstellen, dass digitale Kommunikation für alle gut nutzbar wird?
Wir freuen uns auf Eure Antworten!
Viele Grüße
Euer gutefrage Team
206 Stimmen
47 Antworten
Ich habe letztens z.B. beglaubigte amtliche Dokumente angefordert, die per Einschreiben verschickt wurden.
Sowas lässt sich schwer digital abbilden, solange nicht alle Behörden digital sind und man digital alles ein reichen kann.
Ehrlicherweise muss ich sagen, dass auch ich deutlich weniger Briefe verschicke, als vor 30 Jahren.
Es gibt aber natürlich weiterhin Gelegenheiten für persönliche Briefe und Dokumente, die als Original gebraucht und versendet werden müssen.
Die Brieflaufzeiten haben sich Anfang des Jahres verlängert, um die Post zu entlasten. Das finde ich angemessen und akzeptabel. Ganz ohne Briefversand durch die Post kann ich es mir nicht vorstellen.
Ich bin auch prinzipiell für ein Recht auf "analoges Leben"
Ältere Menschen kennen offiziellen Austausch nicht anders, deshalb muss zumindest die Möglichkeit noch einige Jahre gewährleistet sein. Ich hätte aber kein Problem, Post vom Amt z. B. über eine spezialisierte, abgesicherte App statt im Postkasten zu empfangen.
Ich sehe, wie ein klassischer Brief die Herzen erfreut, da ich im Altersheim auch die Post verteile.
Und für langfristige Verträge etc. bestehe ich sowieso darauf, etwas Schriftliches in der Hand zu haben: also schickt es die Firma entweder per Boten oder per Postboten.
Die klassische Post ist so wichtig wie eh und je, auch wenn sich in ihrem Aufgabenfeld vieles verschoben hat. Heute ist sie in erster Linie Dienstleister für Paketbestellungen, die online getätigt werden.
Menschen nutzen die Post nicht mehr vorrangig, um miteinander zu kommunizieren, sondern sie nutzen sie, um ihr Haus bei Einkäufen nicht mehr verlassen zu müssen.
Der Artikel zeigt es auch genau auf: der Briefservice hat sehr stark abgenommen, der Paketservice ist gerade zu explodiert. Hier hat die Post nicht nur eine große Zukunft sondern steht auch vor vielen logistischen Herausforderungen.
Sofern wir die Diskussion alleine mit Blick auf den Briefsektor führen, verfälscht sich daher die Wahrnehmung. Ich halte die Briefpost nach wie vor für wichtig, insbesondere, wenn es um amtliche oder persönliche Angelegenheiten geht. Bis heute erhalte ich wichtige behördliche Kommunikation, Kontoauszüge, die Kreditkarte und Geheimnummern per Briefpost und ebenso freue ich mich auch immer über eine "richtige" Urlaubskarte von Freunden und Verwandten. Per Post können im Privatsektor nur reale Personen mit realen Wohnsitzen erreicht werden. Insofern beinhaltet der Brief ein wichtiges Verifikationsmerkmal, das die digitale Kommunikation bislang nicht vollständig gewährleisten kann. Ferner bietet die Post auch eine sichere Infrastruktur der Kommunikation, die auch in Krisensituationen systemrelevant sein kann. Ich denke auch, dass wir uns in einer Zeit des Wandels befinden und dass eine Nutzbarmachung digitaler Kanäle für alle eine nur mehr kleine technische Herausforderung und heute vorrangig eine Generationenfrage ist.
Dennoch würde meines Erachtens die Abschaffung des Systems Post ein unverantwortlich hohes infrastrukturelles Risiko bergen.
Analog bis zum Tod xD