Meinung des Tages: KBV-Chef und DKG für mehr Eigenbeteiligungen im Gesundheitssystem - was denkt Ihr darüber?
(Bild mit KI erstellt)
Ein paar Euro pro Arztbesuch und mehr Eigenbeteiligung – sinnvoller Sparimpuls oder unnötige Belastung für Patienten?
Der Vorstoß KBV-Chef Andreas Gassen schlägt vor, bei jedem Arztbesuch eine sogenannte „Kontaktgebühr“ einzuführen. Gesetzlich Versicherte sollen drei bis vier Euro pro Termin zahlen, um die Finanzlage der Krankenkassen zu stabilisieren. Anders als bei der früheren Praxisgebühr würde das Geld nicht in der Praxis kassiert, sondern zentral über die Krankenkassen eingezogen. Laut Gassen müsse die Regelung sozial verträglich ausgestaltet sein, damit niemand aus finanziellen Gründen auf medizinische Hilfe verzichtet.
Unterstützung erhält er von der Deutschen Krankenhausgesellschaft - diese sprechen sich für höhere Zuzahlungen bei Krankenhausaufenthalten aus. Konkret wäre eine Verdopplung angedacht: Von bisher zehn auf künftig zwanzig Euro am Tag.
Der Vorschlag sorgt für kontroverse Reaktionen. Befürworter sehen darin ein Mittel, unnötige Arztbesuche zu reduzieren und Kosten besser zu steuern. Kritiker erinnern jedoch an die abgeschaffte Praxisgebühr, die kaum Lenkungswirkung hatte und vor allem Menschen mit geringem Einkommen belastete.
Mehr als nur GebührenGassens Ideen gehen über die Kontaktgebühr hinaus. Zusätzlich bringt er einen digitalen Ärzte-Lotsen ins Spiel, der Patientinnen und Patienten beraten und Behandlungen koordinieren soll. Parallel fordern Krankenhäuser höhere Zuzahlungen, etwa bei Klinikaufenthalten oder bei der Nutzung von Notaufnahmen ohne vorherige Beratung. Damit rückt eine Grundsatzfrage in den Mittelpunkt: Wie viel Eigenverantwortung und Eigenbeteiligung ist im Gesundheitssystem zumutbar?
Unsere Fragen an Euch:- Wie könnten derartige Vorschläge sozial gerecht umgesetzt werden?
- Seht Ihr eine Gefahr, dass Menschen aufgrund von Sorge vor höherer Eigenleistung auch im Ernstfall zögern?
- Was könnte eine Alternative sein, um die medizinische Versorgung aufrecht zu erhalten?
Wir freuen uns auf Eure Antworten und hoffen, Ihr hattet schöne Feiertage!
Viele Grüße
Euer gutefrage Team
114 Stimmen
43 Antworten
Erinnert ihr euch noch an die Zeit der "Praxisgebühr"? War dummerweise auch meine Zeit des Jobcenters. Arztbesuch oder ein - zwei Tage Essen war da die Frage und selbst wenn man beim Arzt war gabs und gibt es noch Zuzahlung auf Rezepte. Und kommt mir nicht mit Freistellung, denn die gibts erst wenn man schon seinen Teil gezahlt hat was nichts bringt wenn man nichts zahlen kann.
Mit "Sozialstaat" hatte das in meinen Augen wenig zu tun.
Weißt du was Kapitalismus ist? Dann weißt du, wieso Dinge so sind, wie sie sind und warum das keine Fehler sind, sondern Folgen.
hast Du eine Vorstellung davon, wieviele Entwicklungs- und Versuchsreihen notwendig sind, bevor ein neues Medikament marktreif ist? Die Pharmaindustrie braucht das Geld, und im übrigen sind Unternehmen keine Wohlfahrtseinrichtungen. Außerdem gibt es kaum noch deutsche Pharmaunternehmen, und auch die, die es gibt, entwickeln und produzieren fast nur noch im Ausland. Entweder kann die Pharmaindustrie bei uns Geld verdienen, oder wir sind dann eben auf ausländische Firmen angewiesen.
Ich weiss, was an Entwicklungs- und Versuchskosten anfallen. Ich weiss auch, dass es (leider) nur noch wenige deutsche Firmen dafür gibt. Ich weiss auch, was Kapitalismus bedeutet. Ich weiss aber auch, dass ein großer Teil unserer Bürger sich an den sozialen Einzahlungen nicht beteiligt.
Müssen z.B. Krankenhäuser und Kliniken privatisiert werden, sollte das nicht in öffentlicher Hand sein?
Was ich angesprochen habe, ist auch nur ein Teil, warum die Überlegungen einer Praxisgebühr wieder aufkommt. Warum werden Beamte und privatversicherte nicht miteinbezogen?
Auch für micgibt es keine Ideallösung, aber es sollten sich alle Beteiligten daran beteiligen.
nun, "beteiligt" (zumindest an den Kosten) sind auch die Bürgergeldempfänger, von denen nicht wenige arbeiten könnten, aber nicht wollen.
Im Gegenteil. Der Anteil der Arbeitsverweigerer ist gering. Aber glaub ruhig was besser in dein Weltbild passt 😉
Was nennst du "nicht wenige"? Wer sind denn diese nicht wenige? An wen denkst du dabei und wieviel machen sie deinen Erkenntnissen nach aus, also was du durch Recherche erfahren hast?
War ne lustige Zeit. Da war ich auch beim Jobcenter und hatte am Ende so viele Zettel, dass ich mir daraus einen Umhang / Mantel gebaut hab. Die Gebühr musste man auch nur 1x alle 3 Monate zahlen soweit ich noch weiss.
Ganz entschieden nein, sowas hatten wir schon.
Den Bürger immer mehr belasten und weniger Leistung bieten.
Da sind wieder die chronisch Kranken, die regelmäßig mehrmals im Monat zu m Arzt müssen die gelackmeierten. Und wie immer nur die gesetzlichen abkassieren, was selbstverständlich Politiker Beamte und Besserverdiener zum Großteil wieder nicht betrifft. Immer auf die Schwächsten, und das nennt sich dann Sozialstaat.
Ein System, was auf Ungleichheit programmiert ist, erzeugt dann notwendigerweise auch Ungleichheit.
Für manche sind 3, 4 Euro pro Arztbesuch ein Klacks.
Andere werden vielleicht (noch) weniger zum Arzt gehen, als sie es schon jetzt machen.
Hier werden keine Barrieren abgebaut, sondern vielmehr verstärkt.
Ob dieser Vorschlag tatsächlich das Problem löst, wage ich zu bezweifeln.
Davon halte ich gar nichts. Wenn die Leute noch seltener zu Vorsorgeuntersuchungen gehen und Krankheiten erst später erkannt werden, ist auch niemandem geholfen.
Warum sollen wieder nur die "Kleinen" Zahlen bluten? Wo bleibt die Solidarität der Politiker und vor allem, wo bleibt die Beteiligung der Pharmaindustrie? Sie kann für ihre Arzneien bei uns in Deutschland Preise verlangen, die völlig überzogen sind, während dasselbe Mittel im Ausland nur einen Bruchteil davon kostet.