Ich bin 20 Jahre alt und fast fertig mit dem Abitur. Ich habe kein Social Media oder Ähnliches und habe deshalb die Zeit, immer wieder meinen Kopf durchzugehen und zu versuchen, einen Plan — oder zumindest eine Richtung — für meine Zukunft zu finden. Ich habe mich schon immer für Gesundheit interessiert, in jeglicher Hinsicht, aber besonders für Wege, wie man Probleme langfristig und effektiv lösen kann. Dennoch frage ich mich, ob das etwas ist, was ich wirklich 35 Jahre lang machen möchte.
Ich bin etwas verwöhnt von zuhause: viele Freunde, immer genug zu essen, und an materiellen Dingen hat es mir nie gemangelt. Wie viele in meinem Alter habe ich diese innere Energie, etwas zu tun — irgendetwas — und mir dabei wirklich Mühe zu geben. Ich möchte für etwas arbeiten, für einen Beruf, den ich dann für lange Zeit (nicht immer glücklich, aber die meiste Zeit) gerne ausüben würde. Gleichzeitig fühlt sich der Schritt, das Studium zu beginnen, irgendwie schon sehr groß an.
Ich sehe mir selbst keine Grenzen gesetzt: Ich bin sozial, empathisch, lerne schnell und bin fleißig. Wenn ich in etwas gut sein will, bekomme ich das hin. Auf der anderen Seite spüre ich aber auch, dass AI immer mehr Einfluss gewinnen wird. Berufe wie das Schreiben von Drehbüchern scheinen in zehn Jahren vielleicht keine Zukunft mehr zu haben — so wie viele andere kreative Berufe.
Der Job als Arzt gibt mir Sicherheit: finanziell, aber auch in dem Sinne, dass es diesen Beruf in 10–20 Jahren sicher noch geben wird. Es ist nicht so, dass ich den Beruf nicht mag — aber er zieht mich auch nicht wirklich stark an. Es ist nicht, als hätte ich ein Feuer voller Begeisterung. Vielleicht ist das sogar gut so. Ich bin ein eher achtsamer Mensch, der bisher im Leben mehr auf ruhigen Fleiß gesetzt hat als auf große, treibende Motivation. Der Stoff fasziniert mich, und je nachdem, wo ich später landen und welchen Facharzt ich machen würde, könnte ich mir das gut vorstellen.
Mir ist bewusst, dass kein Beruf immer Spaß machen wird und dass das Studium nicht einfach sein wird. Gleichzeitig habe ich — außer dem Drehbuchschreiben — nichts anderes im Kopf, was ich wirklich gerne tun würde. Ich habe auch schon darüber nachgedacht, dass ich nach einem Medizinstudium wahrscheinlich außerhalb Deutschlands leben wollen würde. Australien wäre eine Möglichkeit: Die Menschen dort, ein etwas ruhigerer Lebensstil und vielleicht mehr Freizeit wären es mir wert — auch im ländlichen Bereich.
Vielleicht ist es auch einfach eine Stimme in meinem Hinterkopf, die sagt, dass egal, was ich mache und wo ich bin, vieles nicht prickelnd wirken wird — weil die Zeiten nicht besser werden: Klima, Politik, Inflation, Lebenshaltungskosten. Wenn ich daran denke, habe ich manchmal das Gefühl, dass ich Arzt werden „muss“, um in den nächsten Jahren gut auszukommen.